Schlagwort-Archive: Markt

Zwergencamping und Rückblick

Endlich komme ich auch dazu, meinen Rückblick zu schreiben.

Zu hause war ich ja trotz genauer Planung, bekannten Einkaufsmöglichkeiten und diversen Vorräten nicht abfallfrei, aber unterwegs, wenn man nicht weiß, wo es was ohne Verpackung gibt, ist das echt eine fast unmögliche Aufgabe!

Hinzu kam noch, dass wir an verschiedenen Orten waren, also eigentlich nie mehrmals an der gleichen Stelle einkaufen gingen. Ich habe einiges an Vorräten in den Bus gepackt, so dass wir wenig einkaufen mussten, aber einiges war dann doch fällig. Und dann musste ich wieder einmal feststellen, dass es in anderen Ländern teilweise noch viel schwieriger ist, plastik- und müllfrei einzukaufen. So waren alle italienischen Supermärkte, die ich diese Woche gesehen habe, wahre Plastikparadiese.

Wasser gab es praktisch gar nicht plastikfrei zu kaufen. Da unsere Edelstahl- Trinkflaschen aber immer dabei sind, konnten wir sie auffüllen, wenn wir an Trinkwasser kamen.

IMG_20150606_191834

Säfte gab es zwar manchmal in Glasflaschen, die aber leider auch keine Pfandflaschen waren und so leer zu Müll wurden.

Obst und Gemüse haben wir versucht, lose auf dem Markt zu kaufen. Wie immer hatte ich hier meine Beutel dabei, und meine neue Edelstahlschüssel hat auch für leicht Zermatschbares gute Dienste geleistet.

Da die Schüssel wasserdicht und geruchdicht verschließbar ist, konnten wir darin auch Lebensmittel außerhalb des Buses aufbewahren, ohne dass sofort Ameisen oder andere Tiere daran gingen. Nachts blieb die Schüssel ebenfalls draußen, und so blieb der Inhalt automatisch kühl.  Brot blieb darin ebenfalls länger haltbar, da es weder nachts Feuchtigkeit zog und lätschig wurde, noch tagsüber austrocknete.

IMG_20150531_110952

Bei der Kirschverkäuferin auf dem Wochenmarkt habe ich, nachdem ich sie davon überzeugt hatte, mir die Kirschen in meinen Beutel zu packen, sogar eine Nektarine dazu geschenkt bekommen, weil sie sich so gefreut hat über meinen Versuch, ihr auf italienisch von meinem Zero waste projekt zu erzählen 🙂

IMG_20150606_124448

Der größte Teil des Mülls fällt aber immernoch bei den Windeln an. Also habe ich wieder mein erprobtes Windelmanufakturwindel- Set mitgenommen.  Diese Windeln sins so genäht, dass nur ein kleiner Teil gewechselt werden muss und so sehr wenig Wäsche entsteht. Zusätzlich können sie mit Stoffeinlagen oder Wegwerfeinlagen befüllt werden, was für Unterwegs sehr praktisch ist, da es einfach nicht immer möglich ist, Windeln mit der Hand zu waschen. Durch dieses Hybridsystem fällt trotz Benutzung von Wegwerfeinlagen wesentlich weniger Müll an als bei normalen Wegwerfwindeln.

IMG_20150605_113408

Da ich ja aber versuchen wollte, so wenig Müll wie überhaupt möglich zu verursachen, habe ich tagsüber zu waschbaren Einlagen gegriffen. Mullwindeln saugen sehr gut, sind auf die perfekte Größe faltbar und trocknen aufgefaltet sehr schnell. Nur wenn es nachts länger halten musste oder ich zu bestimmten Zeiten wusse, dass die Windel verschmutzt werden würde, habe ich Wegwerfeinlagen verwendet. Die Windeln blieben so also relativ sauber und ich konnte sie gut auch mit der Hand auswaschen.

IMG_20150601_105107

Hier habe ich letzten Sommer schon einmal ausführlicher über die Windelmanufakturwindeln berichtet: https://gruenezwerge.wordpress.com/2014/07/23/windeln-unterwegs/

Alles in allem waren wir also nicht wirklich müllfrei, konnten aber wieder einiges an Müll einsparen.

Ohne die Challenge hätte ich vermutlich auch viel weniger nach Alternativen gesucht und mir nicht so viele Gedanken gemacht… also trotz fehlendem Zero- Erfolg eine wirklich gute Woche mit tollen neuen Ideen und Erfahrungen.

Advertisements

OSZWC Tag 3 – Lebensmittel retten auf dem Shuk

Heute waren endlich mal wieder aushaltbare Temperaturen, deshalb es auch kein Eis. 😛 Da das Wochenende in Israel aber aus Freitag und Samstag besteht und ab Freitag nachmittag nichts mehr geht, musste ich mich entsprechend vorbereiten.

Für mich heißt freitags aber auch, dass ich Lebensmittel retten gehe. Vor wenigen Wochen fiel mir nämlich zum ersten Mal, eher zufällig, auf, wie viel auf dem Shuk (Markt) eigentlich übrig bleibt. Entsprechend war bereits heute mein Dumpstertag. Das habe ich dabei alles gerettet:

IMGP3626

  • 1 Tüte voll Baguettes
  • 2 Bund Minze (es wird die nächsten Tage viel Minztee geben :D)
  • 3 fluffige Pita
  • 2 Focaccia
  • 1 Schabbatbrot
  • 2 Melonen
  • 1 Aubergine
  • 1 Banane
  • 1 Kirsche
  • 8 Tomaten
  • 2 Pflaumen
  • 2 Nektarinen
  • 2 Zwiebeln
  • 3 Paprika
  • 1 Pfirsich
  • 1 Gurke
  • 3 Kartoffeln
  • 1 Zitrone
  • 1 Sack rote Kartoffeln (es wird wohl auch recht kartoffellastig)

Unterwegs bin ich noch einer Kommilitonin über den Weg gelaufen, also haben wir gemeinsam weitergesucht und sind beide voll bepackt nach Hause. In meinem Fall waren mein Rucksack und ein Stoffbeutel voll.

Dadurch trage ich natürlich recht viel Plastik nach Hause, das ich sonst nicht mitbringen würde. All die Tüten werde ich aber zu Müllbeuteln umfunktionieren, dann kaufen sich meine Mitbewohner nicht so schnell neue. In dem Kartoffelnetz dürfte sich Plastikmüll auch gut sammeln lassen.

Ich rechne diesen Plastikmüll auch nicht auf mein Konto, denn:

  1. Wurde der Müll bereits verursacht. Dadurch, dass ich ihn mit nach Hause nehme, erhöhe ich nicht die Nachfrage an in Plastik verpackten Lebensmitteln.
  2. Rette ich so wenigstens die Lebensmittel, die sonst entweder weggeworfen oder an Tiere verfüttert würden.
  3. Wird der Müll auf diese Weise wenigstens getrennt und bekommt manchmal sogar noch einen Zweck.

Ich finde es erstaunlich, wie Essen von einem Moment (Freitag) auf den nächsten (Schabbat) seinen Wert verlieren kann. Zum Glück kann man etwas dagegen tun. Und es freut mich, dass ich nicht der einzige bin, der hierzulande sich nach den üppigen Überbleibseln umschaut. Darüber habe ich auf meinem Blog auch hier schon mal geschrieben.

Seitdem ich Lebensmittel rette, kaufe ich selbst auch weniger ein. Denn ich mag erstmal schauen, was ich beim retten kann, bevor ich selbst kaufe. Alles, was ich danach noch brauche, kaufe ich dann einfach in arabischen Geschäften, die sich nicht an Schabbat halten.

Ein paar Dinge gibt es natürlich trotzdem, die nie beim gerettet werden müssen, weil sie sich einfach so lang halten. Deshalb habe ich die heute zusätzlich gekauft.

IMGP3621

Seit Maria von den wundersamen Chiasamen berichtet hat, bin ich total angetan von ihnen. Dieses Mal möchte ich sie als Eiersatz verwenden.

IMGP3619

In diesen wiederverwendeten Tüten befinden sich mit Schokolade umhüllte Kaffeebohnen und Mandeln, Kokosraspeln und Haferflocken. Alle drei möchte ich zusammen mit ein paar weiteren Zutaten zu Makronen verarbeiten. Mal schauen, wie gut es funktioniert. 🙂

Anderweitig ist bei mir heute nur Papiermüll angefallen:

IMGP3631

Die linke Tüte war der Fetttropfschutz für meinen Mittagessen: Sabikh. Ich liebe dieses israelische Essen und wollte schon seit Wochen mal wieder beim Sabikhladen meines Vertrauens eins essen, war nur immer zu spät. Heute hat es endlich geklappt. Den Tropfschutz braucht man auch wirklich, weil der Inhaber das Pita immer proppe-voll stopft. Während des Befüllens denke ich schon immer, das gar nichts mehr reinpassen würde und werde dann immer wieder vom Gegenteil überzeugt. 😀

Die rechte Tüte war eine wiederverwendete, die heute gerissen ist, weshlab ich den Inhalt in eine andere umfüllen musste.

IMGP3633

Ich habe immer meinen Notizblock dabei, der mir meinen Alltags wesentlich erleichtert. Heute habe ich ihn wieder durchgearbeitet, weshalb ein paar Seiten im Müll landen werden.

Was hat mir der heutige Tag gezeigt?

Auf dem Shuk ist mir aufgefallen, wie wichtig Vorbereitung ist. Denn neben all den Dingen, die ich rette, sehe ich dort auch all die Menschen, die mit zehn Plastiktüten in jeder Hand den Heimweg antreten. Deshalb habe ich mir heute Morgen eine Einkaufsliste in meinem Block notiert und bin diese beim Packen meines Rucksackes durchgegangen, um auch auf jeden Fall gewappnet zu sein. Bei der Gelegenheit habe ich gleich noch alle vorrätigen Papiertüten eingepackt, damit ich die auch ja erst „aufbrauche“ bevor ich neue bekomme.

Außerdem ist mir heute bewusst geworden, dass ich immer, wenn ich unterwegs esse, mehr Müll verursachen werde, als wenn ich es einfach zu Hause tue oder zumindest dort koche. Da ich aber bereits zum Frühstück und und häufig zum Abendessen koche, sprengt ein drittes Mal Kochen meist meinen zeitlichen Rahmen. Oft koche ich einfach mehr, damit ich unterwegs etwas Tolles zu Mittag habe. Deshalb bin ich auch stets auf der Suche nach öffentlichen Essensmöglichkeiten, wo ich möglichst plastikfrei essen kann (wie zum Beispiel bei Erika Sabikh).


Das war es heute von mir! Ich mache mich jetzt ans Kochen und wünsche euch morgen viel Spaß beim Lebensmittel retten und gemeinschaftlichen Kochen danach!

Alles Liebe,

Philipp

OSZWC Tag 1 – Die Fallen lauern überall

Der erste Tag der Challenge und schon tappe ich in die Falle!

Doch vielleicht beginne ich lieber damit, wer ich bin und was ich bezwecken möchte. An der Eröffnungsveranstaltung konnte ich nämlich nicht teilnehmen, weil ich derzeit in Jerusalem wohne. Über meine Erfahrungen (nicht nur diese, sondern generell) blogge ich auch. Plastikfrei zu leben ist schon seit längerem ein Ziel für mich. Entsprechend viel Bedeutung messe ich dem im Alltag bei. Aus diesem Grund nehme ich auch außer Konkurrenz teil.

Dennoch kam die Challenge für mich genau zum richtigen Zeitpunkt, denn ich möchte überprüfen, wie viel Müll ich denn tatsächlich noch verursache, wo ich doch schon so sehr darauf achte.

Abgesehen davon bin ich der festen Überzeugung, dass wir alle jede Menge Tipps, Erfahrungen und Hoffnung aus diesem Experiment mitnehmen können!

Ich bin schon so weit, dass ich Sachen einfach nicht kaufe, wenn ich sie plastikfrei bekommen kann und nicht unbedingt brauche. So stark ist mein Verlangen danach dann häufig doch nicht.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt für mich auf Papier. Im Normalfall habe ich damit kein Problem, weil dieses so wunderbar verrottet. Doch was ist mit den Farben? Und wenn ein Papier nur „kurz“ verwendet wird, bevor es im Müll landet, werden ja auch hier Ressourcen verschwendet. Deshalb verwende ich Papier so lang wie möglich wieder, bevor ich es in den Recyclingkreislauf gebe.

Für diese Woche habe ich mir zwei Stoffbeutel bei Seite gelegt. In einem sammel ich meinen Plastikmüll, in dem anderen meinen Papiermüll bis die Challenge vorüber ist. Da ich keins der tollen Notizbücher bekommen kann und ein Versand hierher unsinnig wäre, halte ich es digital.


Nun aber zum heutigen Tag:

Heute bin ich in eine Falle getappt. In Jerusalem hatte es 38-40°C, da sehnte ich mich nach Eis. Normalerweise esse ich mein Eis immer in der Waffel. Und wenn ich kein Waffeleis bekomme, dann von Cornetto, weil es das ohne Plastik gibt. Erst kürzlich hatte ich Eis einer populären Marke im Angebot erworben – natürlich nachdem ich mich vergewissert hatte, dass es plastikfrei ist. Ich hatte sogar den Deckel abgenommen und war ganz erstaunt, dass alles aus Papier bzw. Pappe war. Alle sind wie verrückt nach diesem Eis, da muss ich als Eisliebhaber natürlich früher oder später mal probieren. 😉

IMGP3608Also nahm ich den Eiskübel aus unserem Gefrierfach, entfernte den Deckel und zog das Trennpapier ab. Also, das vermeintliche. Auf der Innenseite des Bechers war es nämlich mit einer hauchdünnen Schicht von Plastik beschichtet, wie man es von diesem Käse- und Brot-Frischhalte-„Papier“ kennt.

IMGP3610

Ich habe mich wirklich geärgert – nicht nur über meine Naivität, sondern auch weil ich mich betrogen gefühlt hatte. Not so fair!

Kurzerhand habe ich dann begonnen, den Kübel auseinanderzunehmen, um festzustellen, ob nicht noch irgendwo Plastik versteckt ist. Es scheint tatsächlich nur das Trennpapier zu sein. Warum geht das nicht ohne?!

IMGP3611Außerdem hatte ich heute Mittag Falafel im Lafa. Ich kenne meine Orte, wo ich es plastikfrei bekomme. Das ist das Papier dazu.

IMGP3607

Außerdem war ich auf dem Markt einkaufen. Meine Nüsse bekomme ich in meine Brotdose. Bei Obst und Gemüse schreie ich den Verkäufern immer entgegen, dass ich keine Tüte haben möchte, bis die Finger davon lassen. Für meinen Hafer nehme ich eine Papiertüte mit. Die hier stammt aus dem Laden meines Vertrauens für Schokokonfekt. Normalerweise halten die Papiertüten drei bis sechs Mal, bevor sie Löcher vom Abwetzen bekommen.

Was kann ich also aus dem heutigen Tag lernen?

Ich werde künftig noch kritischer sein und noch weniger kaufen, wenn ich Zweifel habe. Industriellen Lebensmittelherstellern kann ich mittlerweile kaum noch Vertrauen aufbringen. Im Eisfall überlege ich, tatsächlich auch auf Cornetto zu verzichten und wirklich nur noch Waffeleis zu essen. Denn mal im Ernst: Wie genial ist es bitte, dass man die Verpackung einfach mitisst? 😀

Alles Liebe und viel Erfolg euch!

Philipp

PS: @Maria: Ich habe heute Chia zum Abfüllen auf dem Markt gefunden. Sie bewahren es allerdings in einem Plastikbehälter auf.