Zusammenfassung der ersten drei Tage in Lausanne

Ich beschäftige mich erst seit Kurzem damit, wie man weniger Müll produzieren kann. Zurzeit verbringe ich ein Erasmus-Jahr (bzw. seit der Volksabstimmung „Swiss Mobility Program“) in Lausanne. Da ich gerade verschiedene Praktika im Krankenhaus durchlaufe (diese beiden Wochen Chirurgie, das geht dann noch früher los, in meinem Fall von 7:15 bis ca 17:30), habe ich leider nicht so viel Zeit nach Läden mit möglichst wenig Verpackungen zu suchen. Das sehe ich im Rahmen der Challenge jetzt mal als interessante Variante, weil ich nur die üblichen Supermärkte besuchen werde und dort dann vergleiche, wie man ganz alltagstauglich weniger Müll verbrauchen kann.

Zur Schweiz muss ich vorwegnehmen, dass hier noch viel mehr Sachen als in Deutschland verpackt werden. Zumindest in ihren Supermärkten. Wo man in Deutschland in der Gemüseecke noch Salat ohne Verpackung mitnehmen kann, so ist der in der Schweiz (jedenfalls bei Migros und Coop, bei Aldi und Lidl sowieso) gänzlich unmöglich – Salate sind in Plastik eingeschweißt. Desweiteren gibt es in der Schweiz kein Flaschenpfand. Initiativen dagegen scheinen einen schweren Stand zu haben. Im Gegenzug fühlt man sich hier ganz groß im Recyclen. Es wird noch mehr Müll getrennt als in Deutschland. Im öffentlichen Raum sieht man viele Mülleimer und häufige auch spezielle Abfallboxen für Aludosen (da es ja keinen Pfand gibt). Die Schweiz ist aber auch das Land der besteuerten Müllsäcke (v.a. für Plastikmüll). Damit soll der von Haushalten produzierte Müll verringert werden – weniger Müll = weniger zu zahlende Steuern. Ob das Ganze so gut funktioniert sei dahingestellt.

Jetzt aber zu den ersten drei bzw. dreieinhalb Tagen.

Am Dienstagabend habe ich schonmal ein bisschen für die folgenden Tage eingekauft. Dazu bin ich nach der Arbeit erstmal zu Aldi geradelt. Im Nachhinein eine dumme Idee. Es gab so gut wie nichts Unverpacktes. Und am Ende habe ich es dann bei einer Zitrone, Reis und Thunfisch belassen. Angefallen sind somit die Plastikverpackung vom Reis, zwei Dosen Thunfisch (dafür fühle ich mich doch ein bisschen schlecht) und der Kassenbon. Leider war auch wirklich fast alles an Obst und Gemüse eingepackt, so dass ich danach noch bei Migros vorbeigefahren bin. Gekauft habe ich schliesslich Tomaten, Kartoffeln, Zwiebeln, Aubergine, Zucchini und Paprika. Alles unverpackt mit jeweils einem Preisaufkleber von der Waage. Als ich meine ca. 20 Kartoffeln mehr oder weniger einzeln in die Waagschale gelegt habe, wurde ich von den zwei hinter mir Wartenden komisch angeschaut – macht aber nichts. An der Kasse gabs dann noch den Kassenbon dazu.

Mittwoch habe ich dann tagsüber so gut wie keinen Müll verursacht (nur die zwei Metrofahrscheine, da ich mich am Morgen um 6:30 nicht dazu überwinden konnte mit dem Fahrrad 200 Höhenmeter und 7 Kilometer zum Krankenhaus zu fahren – das Motivationstief ist mittlerweile überwunden). Abends allerdings haben wir uns mit Freunden auf der Dachterrasse zu einem Bier verabredet. Im Kühlschrank lagen noch zwei Aludosen Bier. Mein Abendverbrauch dann also. Ich hatte mir den ganzen folgenden Tag die Frage gestellt, wie ich das mit dem Bier in nächster Zeit lösen könnte – erste Möglichkeit: kein Bier, nur noch Wasser (ist sowieso gesünder); zweite Möglichkeit: eine Brauerei oder ein Fachgeschäft finden, die Bier abfüllen können; dritte Möglichkeit: Bier nur noch an der Bar und gezapft. Möglichkeit Eins scheint mir bis jetzt am reizvollsten, da ich zur Zweiten in Lausanne absolut nichts gefunden habe (es gibt ein nettes Bierfachgeschäft, da werde ich die nächsten Tage mal nachfragen, obwohl es auf deren Internetseite, dazu keinen Anhaltspunkt gibt) und die Dritte fällt in der Schweiz für mich im Moment raus, da ich es mir einfach nicht leisten kann für ein kleines Bier zwischen fünf und acht Franken zu zahlen.

Donnerstag ist tagsüber wieder nichts an Müll angefallen. Doch am Abend stand der Abschiedsabend für die Austauschstudenten in einem netten Cafe in Lausanne an. Jeder hat pauschal 10 Franken gezahlt und dafür gabs Bons für drei Bier und verschiedene Gerichte, die nacheinander serviert wurden. Wie mir am Ende des Abends klar wurde, ist das Problem bei so einer Veranstaltung, dass man sich über den unglaublich günstigen Preis so freut und am Ende nicht dran denkt Müll zu vermeiden. So wurde uns das Bier in Plastikbechern ausgeschenkt (das ist mir in Lausanne schon häufiger passiert und ein ziemliches Armutszeugnis). Leider habe ich den ganzen Abend über die Challenge total verdrängt, so dass ich noch nichtmal auf die Plastikbecher geachtet und auch kein Glas verlangt habe.

Freitag Morgen dann war ich mit den Assistenzärzten in der Cafeteria, wo es ab Neun immer kostenlosen Tee für die Angestellten gibt, natürlich nur in Plastikbechern. Im Unikrankenhaus in Lausanne gibt es mindestens auf jeder Station einen Wasserspender der natürlich auch mit Plastikbechern bestückt ist. Allerdings werden die Plastikbecher separat gesammelt (leider weiß ich nicht, was damit danach passiert). Die Woche über hatte ich schon drauf verzichtet mir einen Plastikbecher zum Einmalgebraucht zu nehmen. Ausgewichen bin ich auf den Leitungshahn und meine Trinkflasche. Aber bei dem Tee am Morgen konnte ich leider nicht widerstehen und es gab auch keine Tassen. Als ich dann am Abend mit einem Kumpel bouldern war, gabs für jeden von uns noch eine Lindtpraline. Leider auch einzeln verpackt. Später zuhause nach dem Couscous-Essen haben wir noch einen Tee getrunken. Dort ist mir dann aufgefallen, dass die Teebeutel einzeln verpackt sind. Zwei gute Beispiele dafür, dass Unternehmen auch noch viel mehr Müll einsparen könnten, wenn sie nicht alles doppelt und dreifach einpacken würden. In Zukunft werde ich jedenfalls versuchen, lose Schokolade auf Märkten zu finden und Tee auch unverpackt zu kaufen.

Heute bin ich dann wieder zu Migros und habe einige Lebensmittel in Verpackungen gekauft, darunter Nudeln, Schafskäse, Eier, Mehl, Sojamilch, Waschpulver und Duschgel. Zusätzlich natürlich wieder Gemüse ohne Verpackungen und Brötchen aus dem Backregal, was ich auch nicht in eine Plastiktüte eingepackt habe. Beim Duschgel habe ich zum ersten Mal gesehen, dass es für das Nivea-Duschgel was ich zur Zeit benutze, eine Nachfüllpackung gibt. Es ist sogar aufgedruckt, dass man damit 75 % Müll vermeidet – na also.

Im Vergleich zu vor Mittwoch habe ich schon einiges an Müll eingespart, aber es ist noch sehr viel Luft nach oben. Zusätzlich habe ich mir im Alltagsleben viel Häufiger die Frage gestellt, ob ich dies oder jenes jetzt wirklich brauche oder lieber den Müll einspare.

 

Einige allgemeine Anmerkungen und Fragen sind mir noch geblieben:

Ich werde keine kleinen Mengen an verpackten Lebensmitteln mehr kaufen, sondern möglichst immer die großen Verpackungen, wenn es schon nicht anders geht.

Gefragt habe ich mich, ob es so etwas wie guten und schlechten Müll gibt. Ganz praktisch ausgedrückt, ich kaufe besser Glasverpackungen anstatt beschichteten Verpackungen. Aber ist eine bedruckte Papierverpackung besser als eine bedruckte Plastikverpackung? Und sind Nudeln, die in einer Pappverpackung mit Plastiksichtfenster eingepackt sind mülltechnisch schlecht?

In den letzten Wochen habe ich auch gemerkt, dass man weniger Müll verursacht, wenn man z.B. Pesto in größeren Mengen selbst herstellt und dafür alte Gläser benutzt. Genauso mache ich mir auch meine Erdnussbutter mittlerweile selbst.

Ein Problem auf das ich gestossen bin sind Geschenke. Ich nehme eher etwas Verpacktes als Geschenk an, als dass ich es kaufen würde. Gerade im Werbegeschenke im Supermarkt, wo man dann mal ein verpacktes Joghurt angeboten bekommt. Und auf einmal hat man unnötigen Müll in der Hand, den man eigentlich vermeiden wollte. Letzte Weihnachten habe ich (inspiriert von der Familie meiner Freundin) auch das erste Mal meine Weihnachtsgeschenke in alter Zeitung eingepackt (da sind zum Teil auch nette Motive drauf).

Ich freue mich auf jeden Fall auf die zweite Hälfte der Challenge und fühle mich schon jetzt sehr inspiriert und zum Nachdenken bewegt.

 

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5 Gedanken zu „Zusammenfassung der ersten drei Tage in Lausanne

  1. Philipp

    Hallo … (Wie heißt du eigentlich? :))

    Vielen Dank für deinen Einblick! Ich hätte die Schweiz ehrlich gesagt als umweltfreundlicheres Land eingeschätzt. Die besteuerten Plastiktüten finde ich persönlich gut. Vor wenigen Tagen habe ich mich gefragt, wie sich die Leute wohl verhalten würden, wenn sie fortan für jede Tüte (egal welches Kaliber, auch Baumwolle) 2€ bezahlen müssten. Darauf gekommen bin, weil man in Deutschland mittlerweile für Tüten bezahlen muss, eben nur nicht alle und vor allem nur Centbeträge. Das tut meiner Meinung nach nicht genug weh. Bei 2€ überlegt man schon zwei Mal. Bei dm gibt auch ein Baumwollpfandsystem – man kauft einmal einen Beutel für 1€ und kann ihn dann immer wieder austauschen, wenn er zu sehr gelitten hatten. Allerdings halten Baumwollbeutel echt lang! Das könnte man für die Stoffbeutel ja auch einführen.

    Mit so einem System kann man Menschen meiner Meinung nach dazu bewegen, tatsächlich weniger Tüten zu nehmen. Erstens würden viele von vornherein Beutel mitnehmen. Und zweitens würden sich alle für den Stoffbeutel entscheiden. Denn wenn sie schon bezahlen müssen, wollen sie wenigstens das beste für den Preis.

    Und Respekt, dass du trotz der frustrierenden Ausgangsbedingungen dranbleibst! Jeder kleine Schritt hilft! 🙂

    Alles Liebe,
    Philipp

    Gefällt 2 Personen

    Antwort
    1. timgstruppi Autor

      Hallo Philip,
      danke für deine Antwort 🙂 Das mit dem Baumwollbeutelpfandsystem bei dm wusste ich noch gar nicht, finde ich aber ne coole Sache.
      Und die besteuerten Müllsäcke hier finde ich auch echt gut. Nur hört man immer wieder von Leuten, die ihren Müll dann versuchen irgendwie auszulagern, anstatt in zu sparen. Das führt dann dazu, dass es in der Schweiz sogar eine Art eigene Polizei zur Nachverfolgung von Müllsündern hat. Was auch eine gute Sache ist 😉

      Ich habe gerade noch eine Infografik der NZZ von 2006 (leider nicht so aktuell, ich weiß) zum Müllverbrauch und Recycling der Schweizer gefunden:
      http://folio.nzz.ch/sites/default/files/0709_abfall_schweizer_pro_jahr.pdf

      Jeder Schweizer produzierte in 2006 durchschnittlich 706 kg Müll, zum Vergleich Deutschland 2006 564 kg pro Person. Und recycled wird in beiden Ländern ca. gleich viel.

      Lieber Gruß,

      Tim 🙂

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  2. widerstandistzweckmaessig

    Hallo!

    Ich versuche Plastik grundsätzlich zu vermeiden und gebe Papier/Karton immer den Vorzug.

    Da ich Gläser und Flaschen selbst weiter verwende, sehe ich da auch nicht so ein Problem.

    Ich finde es super, dass Du mehr selber machst um Müll zu vermeiden. Das ist auch mein Ansatz dazu.

    Es ist oft einfacher die Grundzutaten unverpackt zu bekommen als das fertige Produkt.
    lg
    Maria

    Gefällt 1 Person

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